Hochschule für Musik Weimar

 Die Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar

der Makel der DDR-Vergangenheit

“Kollaboration von SED-Funktionären im Lehrkörper mit der Staatssicherheit ?”

Eine der letzten Roten Bastionen der ehemaligen DDR ?

11/2015       Die HfM - Eine der letzten Roten Bastionen der ehemaligen DDR ?

 Frage auf der Podiumsdiskussion bei der Geschichtsmesse 2015 in Suhl an den Thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow 

Defekte einer Hochschulchronik - 2

Die Vorgeschichte:

November 2017

Beim  Mitteldeutschen Verlag erscheint die Publikation zur HfM. Der obige Arbeitstitel wurde geändert in:

Defekte einer Hochschulchronik

-Die Hochschule für Musik FRANZ LISZT in Weimar - eine Aufarbeitung

Besonderen Dank gilt dem Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Christian Dietrich für seine Unterstützung.

Rezensionen und Kommentare

Im Juni 2011 fand - in Zusammenarbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung

 und der TU Dresden - eine Tagung und Gedenkveranstaltung statt.

 

“WAS BEDEUTET FREIHEIT VON LEHRE UND STUDIUM AUS DEM BLICKWINKEL DER DDR-VERGANGENHEIT ?”

und

“ZUM SCHWIERIGEN UMGANG MIT DER VERGANGENHEIT”

Die Tagung war die Fortsetzung einer Veranstaltung der TU Dresden am 30. November 2009 unter dem Titel “Politisch motivierte Urteile und andere Formen von Repressionen gegen Studenten der TH / TU Dresden in der DDR”. Veranstalter und Teilnehmer waren sich im November 2009 darüber einig, dass die Aufarbeitung weitergeführt und auf die sächsischen Universitäten ausgeweitet werden müsse. Die Rehabilitation der Opfer sowjetischer- und DDR-Willkür an Studenten und Professoren sächsischer Universitäten - auch posthum - sollte in einem würdigen und festlichen Rahmen geschehen. Wen konnte man hierzu besser einladen diese Gedenkveranstaltung würdig auszugestalten als den Komponisten H.Johannes Wallmann - der Willkür und Repression durch die SED an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar in der DDR selbst erlebte - mit seiner Komposition

REINER-KUNZE-ZYKLUS - Der blaue Vogel 

zu Gedichten, Nachdichtungen und Texten von Reiner Kunze - auch dieser konfrontiert mit staatlicher DDR-Willkür (1976 Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der DDR). Die Uraufführung       www.integralart.de/content/projekte/reiner-kunze-zyklus  wurde im Deutschlandfunk am 20.12.2009 übertragen. 

Die Vorträge des Präsidenten des Sächsischen Landtags, Dr. Matthias Rößler, des Landesbeauftragten der Konrad-Adenauer-Stiftung, Dr. Joachim Klose, als auch der Rektor der TU Dresden, Prof. Dr. Hans Müller-Steinhagen ließen keinen Zweifel daran, dass die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit noch längst nicht abgeschlossen ist - und es wurde auf den Komponisten Wallmann hingewiesen.

Der Präsident der Hochschule für Musik FRANZ LIST Weimar, Prof.Stölzl,  war informiert. Und man hatte gehofft, dass man in Weimar die gebaute Brücke - die Rehabilitation eines ihrer besten Absolventen - bei dieser Gelegenheit wahrnehmen würde. Die Zeichen wurden dort wohl nicht verstanden.

Die Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar hat bis heute diesen Makel in ihrer Geschichte nicht aufgearbeitet: Einem ihrer besten Absolventen – H.Johannes Wallmann – das vor über 37 Jahren unterschlagene Diplom in würdiger Form auszuhändigen.

Was Spitzenmusiker zu heute Wallmans Musik sagen:  vimeo.com/20895644

Lutz Rathenow, der Landesbeauftragte des Freistaates Sachsen für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR,  sprach am 10.7.2011 im DLF in der Sendung Zwischentöne über den Komponisten H.Johannes Wallmann: Das Interview (Gockenrequiem gekürzt)  

HfM - Präsident Prof.Stölzl, die Last des SED-Regimes
HfM - Prof.Stölzl, die Last des SED-Regimes

Das Verhalten der HfM nach der Tagung in Dresden  -  Juli 2011

Die Sicht und Position des Präsidenten der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar

Sent: Friday, July 29, 2011 4:04 PM Subject: AW: Nachtrag Gedenkveranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung & TU Dresden am 15. Juni 2011 - Gedenkveranstaltung

Sehr geehrter Herr Knoblauch,

lassen Sie mich zuerst danken für den Strom von Informationen über Ihre Aktivitäten, die allesamt der Auseinandersetzung mit der DDR gewidmet sind. So sehr ich Ihre historische Arbeit begrüßenswert finde, so wenig verstehe ich, trotz Ihrer Briefe, was Sie von der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar eigentlich konkret erwarten. Der Anlass zu Ihrem Appell war das Schicksal des Komponisten Johannes Wallmann. Unser Archivar, Herr Dr. Meixner, hat den Bestand an Dokumenten, die sich auf den damaligen Studenten Johannes Wallmann beziehen, eigesehen. Die Hochschule würde Herrn Wallmann gern alle Original-Zeugnisse übersenden die sie im Archiv hat – nur, der Bestand ist nicht vollständig, manche in Kopie erhaltenen Dokumente sind im Original nicht bei uns vorhanden.

In einem neuen Brief gehen Sie jedoch über die Zeugnis-Frage (die ja viel besser direkt zwischen Herrn Wallmann und dem Hochschularchiv gelöst werden könnte) hinaus. Sie fordern „die Wiederherstellung der Reputation der Musikhochschule Weimar“. Dazu ist zu sagen: Die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar von 2011 hat in ihren Leitungsgremien nichts, in ihrer Verwaltung und in ihrer Professorenschaft kaum etwas mit der DDR-Hochschule vor 1989 zu tun. Dennoch hat sie sich selbstverständlich der Aufarbeitung ihrer Geschichte im Ganzen – also auch der hochproblematischen Jahre 1933 – 1945 und 1946 – 1989 gestellt. Das Resultat ist das äußerst faktenreiche Buch von Wolfram Husche „Zukunft Musik – Eine Geschichte der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. Köln – Weimar - Wien (Böhlau), 2006, 593 Seiten mit vielen Abbildungen. Professor Huschke hat alle Akten minutiös ausgewertet und zeichnet ein kritisches Bild der DDR-Epoche der Hochschule. Wo freilich durch die Turbulenzen im Umbruchsjahr 1989/90 Aktenbestände verloren gegangen sind, kann auch der verantwortungsvolle Historiker nur erzählen, was belegt ist.

Sehr geehrter Herr Knoblauch: die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar muss sich nicht um ihre Reputation sorgen. Sie ist seit 1990 eine herausragende Ausbildungsstätte für den künstlerischen Nachwuchs, eine Stätte bedeutender musikwissenschaftlicher Forschung und ein Ort lebendiger, täglich gelebter demokratischen Selbstverwaltung. Ich würde mich freuen, wenn Sie zu dem gleichen Schluss kämen und zeichne, freundlich grüßend

als Ihr Prof. Dr. Christoph Stölzl

Präsident der Hochschule für Musik

FRANZ LISZT Weimar
Platz der Demokratie 2/3
99423 Weimar

Telefax: +49 3643 555-117
www.hfm-weimar.de

Mein Kommentar:

War Herr Wallmann vielleicht nur ein Einzelfall? 

Betraf die Repression nur die Hauptfach-Kompositionsstudenten, bei denen man eine ideologische Abweichung rigoros ahndete, da die Künste in der DDR zur Ideologie-Produktion mißbraucht wurden?

Dann sollte doch eine klare Sprache und die Korreaktur dieses damaligen Fehlverhaltens der damaligen HfM kein Problem für die heutige HfM sein. Oder liege ich da falsch?
Was prädestiniert Johannes Wallmann als Kristallisationspunkt einer Aufarbeitung? Seine Vita - viele Vorgänge an der HfM hat er in Tagebuchaufzeichnungen dokumentiert - ein Fundus für die Aufarbeitung. Oder glaubt irgendjemand an der HfM, dass Sie in Ihrem Archiv noch fündig werden?

Verstehe ich das richtig: Sie würden Herrn Wallmann gern einfach so ein ehemals unterschlagenes Diplom (kein Zeugnis, sondern es geht um den zu verleihenden akademischen Grad!) mit der Post zusenden?

Wir sprechen hier doch um Betrug zu DDR-Zeiten! Oder sehe ich das falsch?

Die HfM war doch 1990 keine Neugründung. Wird nicht immer auf die lange Tradition verwiesen? Wenn Sie das Erbe annehmen, dann müssen Sie auch die Altlasten tragen. Kein Sherry picking!

Was also ist mit den Altlasten? Einfach vergessen? Wer hat nach 1989 sich eigentlich um das Archiv der HfM gekümmert bzw. es gesichert?

Die Technische Universität Dresden hat 2007 - auf Veranlassung des damaligen Rektors Prof. Hermann Kokenge mit der Aufarbeitung der Jahre 1945 - 1989 begonnen. Dabei ging es nicht mehr um die zeitgeschichtlichen Vorgänge und Wertungen sondern es ging um die fehlende Würdigung der Diskriminierten und Opfer des SED-Regimes. Ich hoffe, Sie verstehen den Unterschied.

Professor Huschke hat ein - wie Sie richtig schreiben - faktenreiches Buch über die HfM verfasst.Wo aber werden die “Verfolgten” dieses Systems genannt? Prof. Huschke analysiert sehr richtig: “Die Chuzpe [...] den Vorrang der politisch-ideologischen vor der musikalischen “Erziehungswirkung” anerkannt wissen zu wollen, ist bemerkenswert”.

Heute noch sehr vorsichtig formuliert. Besser an Stelle von “anerkannt wissen zu wollen” sollte stehen: “Wir geben vor, was Kunst ist - basta. Wer das nicht akzeptiert ist ein Feind und fliegt raus”. (Anmerkung von mir: Die Sprache der Funktionäre war einfach.

1990 : Ein Neuanfang mit welchem Lehrkörper eigentlich?

Sehr geehrter Herr Professor Stölzl, ich teile Ihre Sicht nicht. ich habe eher den Eindruck, wir bewegen uns in einem Minenfeld.

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HfM - Prof.Stölzl und Wolfgang Biermann
HfM - Prof. Huschke: Die SED-Vergangenheit der HfM
Huschke - HfM - 5_o.A

Hier der von Prof. Huschke angesprochene Beitrag in der Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat

Link zu

Die SED-Vergangenheit ist noch nicht aufgearbeitet

Meine Antwort vom 12. März 2012

Der Komponist Hans Johannes Wallmann – das unterschlagene Diplom

Sehr geehrter Herr Professor Huschke,

ich interpretiere Ihren Brief positiv. Sie haben sich mit dem Thema beschäftigt und ich gehe davon aus, es wird sich etwas bei der HfM bewegen.

Eine Aussage in Ihrem Brief muss ich jedoch korrigieren: Ich persönlich habe

kein Anliegen an die HfM.

Hatte die HfM nicht über 20 Jahre Zeit, die Betroffenen von Willkür des SED-Regimes an der HfM – ehemalige Studenten und auch Mitglieder des Lehrkörpers -  zu rehabilitieren? So, wie es andere Hochschulen und Universitäten längst getan haben?

Mit freundlichem Gruß

G.Knoblauch

HfM-Stölzl - Die Beschäftigung mit der SED-Vergangenheit

Eine erste positive Reaktion der HfM - wenngleich das Thema unterschlagenes Diplom noch nicht angesprochen wird, doch:

“[...] die historischen Tatsachen - in unseren Augen durchaus revisionsbedürftigen - Urteilen ....”.

Warten wir ab, wie erst dies gemeint ist.

Stölzl - die historischen Tatsachen?

Aus einen Brief des Präsidenten der HfM vom 12. März 2012 - soweit ich persönlich darin angesprochen bin.

Prof.Stölzl, HfM - Die noch nicht aufgearbeitete Vergangenheit
Wallmann - Stölzl - TLZ - Das muss doch ein Anliegen der Hochschule sein
Thüringer Allgemeine - Warum der Komponist  Wallmann
Podiumsdiskussion HfM - Stölzl - der Fall Wallmann?

Link zu

Weitere Dokumente

Link zu

“Die Wende ging schief”

Link zu

Zeitschrift des Forschungsverbundes Aufarbeitung SED-Staat

“Die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und die DDR ..

Parallelen

Der Fall Wolf Biermann: 5.9.2008

Die Humboldt Universität hat reagiert

“ […] Obwohl er seine Prüfungen erfolgreich absolviert hatte, war ihm das Philosophie-Diplom aus politischen Gründen nie ausgehändigt worden.“

Die Presse reagiert

Zum Vergrößern auf das Bild klicken

Die Thüringer Allgemeine (TA)      vom 15. November 2012

Der Journalist Sigurd Schwager führte das Interview mit dem Komponisten H.Johannes Wallmann

und dem

Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Lutz Rathenow

Hinweis Günter Knoblauch:

Der Titel ist nicht ganz zutreffend. Herr Wallmann hat die Vergangenheit längst in einem sehr guten Buch “Die Wende ging schief” aufgearbeitet. Man sehe sich dazu die vielen Rezensionen bekannter Personen an.

Jedoch aktiv in Richtung HfM  ist er zum Thema Vergangenheitsaufarbeitung erst vor zwei Jahren geworden, als er den Betrug der Hochschule Franz Liszt Weimar entdeckte.

Und was sich daraufhin bisher abspielte ist peinlich. Nicht für Herrn Wallmann sondern für die gesamte HfM.

Bleibt die Frage: Wie lange wird die HfM dies durchstehen ohne Schaden zu nehmen?

 

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Aus der Podiumsdiskussion in der HfM am 30.11.2012

Frage: TA-Chefredakteur Paul Josef Raue....... Und im Konkreten, geschah Herrn Wallmann Unrecht?

Christoph Stölzl: „Die DDR als Staat hat ihm, weil sie ihn als Künstler nicht mochte, Unrecht getan. Aber für die Hochschule muss ich die Frage nach Sichtung aller Akten entschieden verneinen.“

 

Anmerkung:

Vielleicht kann Herrn Prof. Stölzl mal ein Jurist aus der HfM erklären, was die Unterschlagung eines Diplomzeugnisses juristisch bedeutet - ganz zu Schweigen von der moralisch ethischen Verhaltensweise.

Auch wenn Prof. Stölzl persönlich nichts mit dem Betrug ehemaliger Funktionsträger der HfM zu tun hat, er deckt diese indem er sich wider besseres Wissen “schützend” vor die HfM stelt.

Vielleicht erklärt auch das Schweigen der HfM, dass da noch sehr viel politischer Unrat aus DDR-Zeiten hinter der Fassade der heutigen Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar liegt.

Falls ich mich täusche, ich habe kein Problem damit, mich zu entschuldigen.

 

"Es fehlt schlichtweg der Wille zur Aufarbeitung"

Diesen Satz schrieb ich 2012. Jetzt schreiben wir fast schon das Jahr 2018. Im November 2017 erschien die Publikation “Defekte einer Hochschulchronik” beim Mitteldeutschen Verlag.